Musikalische Nachlese – 7-Minuten-Interview mit unserem Dirigenten Björn Bus

IMG_0576Lieber Björn, wie hast Du die Reise nach San José empfunden. Was hat die Reise für Dich bedeutet?

Unglaublich viel! Es gibt da zwei Aspekte: Zum einen hat es für das LBO allgemein unglaublich viel bedeutet. Ich denke, wir haben eine gute Visitenkarte abgegeben. Das LBO befindet sich nun auf einer internationalen Ebene, durch diese Veranstaltung und das Konzert, das wir dort gespielt haben. Vor allem im Bewusstsein der Amerikaner hat es bewiesen, dass es auch europäische Orchester gibt, die sehr gut symphonische Blasmusik spielen können. Allerdings auf andere Art und Weise, als es die Amerikaner gewöhnt sind. Aber an den Reaktionen des Publikums und den Rückmeldungen, die wir bekommen haben, haben wir gemerkt, dass es sehr geschätzt wird, welche Musik wir spielen. Und vor allem, wie wir die Musik spielen, wie wir die Musik beleben, denn das ist ein großer Unterschied zwischen Europa und Amerika, diese Emotionsgeschichte, wie man da dran geht.

Was denkst Du, warum das in Amerika anders ist? Warum ist die Tradition dort eine andere?

Das hat sehr damit zu tun, dass der Amerikaner eigentlich keine eigenständige Kultur hat. Das ist jetzt nicht böse gemeint. Es trifft aber auf die weißen Amerikaner zu. Die schwarzen Amerikaner haben eine Kultur, die abstammt von ihren afrikanischen Vorfahren. Das sieht man dann auch zum Beispiel in New Orleans, wenn die dann ihre eigene Musik machen, ihre Jazzmusik, dann ist die Emotion voll da. Und alles andere ist von außen reingekommen, nichts Gewachsenes…

So wie auch in der Architektur…

Ja, in allen Dingen. Und wenn ein Volk so viele äußere Einflüsse übernimmt, kann es sie sich nie völlig zu eigen machen, weil es nicht tief verwurzelt ist. Anders als bei uns in Europa, wo beispielsweise die klassische Musik aus Osteuropa sehr tief empfunden ist und diese Emotionen auch transportieren kann.

Meine nächste Frage wäre, wie denkst Du, hat diese Reise das LBO weitergebracht? Sowohl in der Aussenwirkung als auch für uns. Ist das LBO an dieser Reise gewachsen?

Das LBO hat von der Reise dahingehend profitiert, wie das immer bei Konzertreisen ist, dass es als Gruppe noch stärker zusammen gewachsen ist. Das Teamgefühl hat sich noch verstärkt, und das hört man natürlich auch in der Art, wie man zusammen musiziert. Das ist eine der Stärke des LBO. Das LBO ist ein Orchester, das sich aufgrund seiner Struktur sehr wenig sieht…

Aber dafür dann sehr intensiv…

Genau, und wenn man dann auf so einer Reise eine ganze Woche miteinander verbringt, dann wird dieses Gefühl glaube ich nur stärker.

Welche Perspektiven haben sich nun aus unserer erfolgreichen Teilnahme ergeben, was für Türen haben sich möglicherweise für uns geöffnet. Wie sieht die Planung für die nächste Zeit aus?

Es gibt viele neue Perspektiven. Wir haben viele neue Kontakte geknüpft und viele dieser neuen internationalen Bekanntschaften würden es gerne sehen, wenn das LBO in der Zukunft auch mal in ihrem Land spielen würde.

Beispielsweise…

Beispielsweise haben wir eine Verbindung ins Baltikum, die uns gerne dort sehen würden, wir haben ein Angebot aus Italien, aus der Gegend von Florenz, das für uns sehr interessant wäre. Es gab eine Delegation aus Irland, die gerne das Orchester in Irland sehen würden. Wir haben jetzt also die Kontakte, die uns eine Reise ermöglichen würden. Wenn wir irgendwo spielen wollen, dann reicht eine Email um das zu ermöglichen. Das ist toll, dass es da so ein großes Interesse gibt. Ich denke, auch wenn wir noch einmal zurück wollten nach Amerika, gibt es da jetzt so viele Kontakte mit Universitäten, dass es sehr einfach wäre, das zu organisieren.

Nicht zu vergessen, nächstes Jahr die Europameisterschaften…

Ja, dann haben wir ja auch noch unsere eigene Planung: Wir haben im Mai die Europäischen Meisterschaften, die European Championship for Wind Orchestra, ein europäischer Wettbewerb für Blasorchester in Utrecht in den Niederlanden. Das steht 2016 an, 2017 planen wir am WMC in Kerkrade teilzunehmen und im selben Zeitraum gibt dann auch wieder eine Internationale WASBE- Konferenz, die in Utrecht stattfindet. Wir werden versuchen, diese beiden Veranstaltungen miteinander zu kombinieren, die Wettbewerbsteilnahme beim WMC in Kerkrade mit einem Galakonzert bei der WASBE- Konferenz in Utrecht.

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Foto: M. Katzmann

Meine letzte Frage: Abgesehen vom Musikalischen, wie hast Du es empfunden, mit dem LBO unterwegs zu sein?

Ja, weißt Du, das LBO hat schon von Anfang an ein großes Gefühl bei mir ausgelöst auch emotional. Es gibt eine bestimmte Verbindung auf emotionaler Ebene und natürlich wird dieses Gefühl nach so einer Reise noch stärker. Nach zwei, drei Jahren weiß man dann auch so ungefähr, was man voneinander erwarten kann und arbeitet immer weiter an dieser Beziehung.

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Über alexazinsser

Ich spiele mit kinderbedingten Unterbrechungen seit 2001 als Klarinettistin im LBO mit. Mit der Musik habe ich bereits vor 20 Jahren mein Hobby zum Beruf gemacht. Beim LBO spiele ich, weil ich hier ein hohes Niveau und eine freundschaftliches Miteinander der Musiker erlebe. Das LBO ist wie eine "Musikfamilie" für mich.

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