Archiv für den Monat Juli 2015

Musikalische Nachlese – 7-Minuten-Interview mit unserem Dirigenten Björn Bus

IMG_0576Lieber Björn, wie hast Du die Reise nach San José empfunden. Was hat die Reise für Dich bedeutet?

Unglaublich viel! Es gibt da zwei Aspekte: Zum einen hat es für das LBO allgemein unglaublich viel bedeutet. Ich denke, wir haben eine gute Visitenkarte abgegeben. Das LBO befindet sich nun auf einer internationalen Ebene, durch diese Veranstaltung und das Konzert, das wir dort gespielt haben. Vor allem im Bewusstsein der Amerikaner hat es bewiesen, dass es auch europäische Orchester gibt, die sehr gut symphonische Blasmusik spielen können. Allerdings auf andere Art und Weise, als es die Amerikaner gewöhnt sind. Aber an den Reaktionen des Publikums und den Rückmeldungen, die wir bekommen haben, haben wir gemerkt, dass es sehr geschätzt wird, welche Musik wir spielen. Und vor allem, wie wir die Musik spielen, wie wir die Musik beleben, denn das ist ein großer Unterschied zwischen Europa und Amerika, diese Emotionsgeschichte, wie man da dran geht.

Was denkst Du, warum das in Amerika anders ist? Warum ist die Tradition dort eine andere?

Das hat sehr damit zu tun, dass der Amerikaner eigentlich keine eigenständige Kultur hat. Das ist jetzt nicht böse gemeint. Es trifft aber auf die weißen Amerikaner zu. Die schwarzen Amerikaner haben eine Kultur, die abstammt von ihren afrikanischen Vorfahren. Das sieht man dann auch zum Beispiel in New Orleans, wenn die dann ihre eigene Musik machen, ihre Jazzmusik, dann ist die Emotion voll da. Und alles andere ist von außen reingekommen, nichts Gewachsenes…

So wie auch in der Architektur…

Ja, in allen Dingen. Und wenn ein Volk so viele äußere Einflüsse übernimmt, kann es sie sich nie völlig zu eigen machen, weil es nicht tief verwurzelt ist. Anders als bei uns in Europa, wo beispielsweise die klassische Musik aus Osteuropa sehr tief empfunden ist und diese Emotionen auch transportieren kann.

Meine nächste Frage wäre, wie denkst Du, hat diese Reise das LBO weitergebracht? Sowohl in der Aussenwirkung als auch für uns. Ist das LBO an dieser Reise gewachsen?

Das LBO hat von der Reise dahingehend profitiert, wie das immer bei Konzertreisen ist, dass es als Gruppe noch stärker zusammen gewachsen ist. Das Teamgefühl hat sich noch verstärkt, und das hört man natürlich auch in der Art, wie man zusammen musiziert. Das ist eine der Stärke des LBO. Das LBO ist ein Orchester, das sich aufgrund seiner Struktur sehr wenig sieht…

Aber dafür dann sehr intensiv…

Genau, und wenn man dann auf so einer Reise eine ganze Woche miteinander verbringt, dann wird dieses Gefühl glaube ich nur stärker.

Welche Perspektiven haben sich nun aus unserer erfolgreichen Teilnahme ergeben, was für Türen haben sich möglicherweise für uns geöffnet. Wie sieht die Planung für die nächste Zeit aus?

Es gibt viele neue Perspektiven. Wir haben viele neue Kontakte geknüpft und viele dieser neuen internationalen Bekanntschaften würden es gerne sehen, wenn das LBO in der Zukunft auch mal in ihrem Land spielen würde.

Beispielsweise…

Beispielsweise haben wir eine Verbindung ins Baltikum, die uns gerne dort sehen würden, wir haben ein Angebot aus Italien, aus der Gegend von Florenz, das für uns sehr interessant wäre. Es gab eine Delegation aus Irland, die gerne das Orchester in Irland sehen würden. Wir haben jetzt also die Kontakte, die uns eine Reise ermöglichen würden. Wenn wir irgendwo spielen wollen, dann reicht eine Email um das zu ermöglichen. Das ist toll, dass es da so ein großes Interesse gibt. Ich denke, auch wenn wir noch einmal zurück wollten nach Amerika, gibt es da jetzt so viele Kontakte mit Universitäten, dass es sehr einfach wäre, das zu organisieren.

Nicht zu vergessen, nächstes Jahr die Europameisterschaften…

Ja, dann haben wir ja auch noch unsere eigene Planung: Wir haben im Mai die Europäischen Meisterschaften, die European Championship for Wind Orchestra, ein europäischer Wettbewerb für Blasorchester in Utrecht in den Niederlanden. Das steht 2016 an, 2017 planen wir am WMC in Kerkrade teilzunehmen und im selben Zeitraum gibt dann auch wieder eine Internationale WASBE- Konferenz, die in Utrecht stattfindet. Wir werden versuchen, diese beiden Veranstaltungen miteinander zu kombinieren, die Wettbewerbsteilnahme beim WMC in Kerkrade mit einem Galakonzert bei der WASBE- Konferenz in Utrecht.

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Foto: M. Katzmann

Meine letzte Frage: Abgesehen vom Musikalischen, wie hast Du es empfunden, mit dem LBO unterwegs zu sein?

Ja, weißt Du, das LBO hat schon von Anfang an ein großes Gefühl bei mir ausgelöst auch emotional. Es gibt eine bestimmte Verbindung auf emotionaler Ebene und natürlich wird dieses Gefühl nach so einer Reise noch stärker. Nach zwei, drei Jahren weiß man dann auch so ungefähr, was man voneinander erwarten kann und arbeitet immer weiter an dieser Beziehung.

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DAY ELEVEN, 12.20 p.m. – Abflug

Nach 11 wunderschönen Tagen und 2 grandiosen Konzerten geht es wieder zurück nach „good old Germany“.

Die Koffer sind gepackt und die Instrumente verstaut. Hoffentlich klappt beim Rückflug alles genauso gut wie beim Hinflug. Viele von uns nehmen ihre Shopping-Ausbeute mit und alle haben schöne Erinnerungen aus Kalifornien im Gepäck. Was bleibt ist auf jeden Fall das Gefühl sich gut international verkauft zu haben. Wir freuen uns auf weitere Konzertreisen in den nächsten Jahren!

Anstehen an der Gepäckannahme

Konzert im Castello di Amorosa

Ein enthusiastisches Publikum erwartete uns bei diesem zweiten und letzten Konzert im Napa Valley. Das Weingut, in dem wir spielten, sah tatsächlich fast aus wie eine toskanische Burg und bot ein tolles Ambiente für unser zweites Konzert.

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Castello di Amorosa

Die Anspielprobe gestaltete sich recht kurz und wir mussten uns schnell wieder aufeinander einstellen, da wir tatsächlich wieder vier Tage nicht zusammen gespielt hatten.

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Anspielprobe

Glücklicherweise gelang uns das tatsächlich wieder gut und wir hatten uns trotz ungewohnter Akustik mit Open Air schnell wieder gefunden – man merkt einfach, dass wir auf dieser Reise unglaublich gut zusammen gewachsen sind und das macht sich auch in der Musik bemerkbar. Es war angenehm, dass wieder eine Truppe für uns den Aufbau und Umbau übernahm, da vor uns zwei andere Orchester aus Kanada spielten.

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Kanadisches Orchester im Castello

Das Konzert selbst war unterhaltsam wie nie. Björn machte Ansagen zwischen den Stücken, die vom Publikum mit Kommentaren, Lachern und Ausrufen begleitet worden – insbesondere eine Dame in den hinteren Reihen lenkte mit einem überdimensionierten Kuscheltier-Pinguin die Aufmerksamkeit auf sich. Beim Spielen jedoch war unsere Aufmerksamkeit wieder voll und ganz bei der Musik und wir hätten gerne noch länger dort gespielt!
Nach dem Konzert blieb eine kleine Truppe auf der Bühne und spielte vier Egerländer – sehr zum Vergnügen des Publikums, der spielenden Musiker und vor allem Björns, der endlich endlich Egerländer im Frack dirigieren durfte (ein lang gehegter Wunsch).

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Egerländer

Die anschließende Weinprobe und gemütliche Zusammensitzen fiel viel zu kurz aus, gerne wären wir noch länger gesellig im Weinkeller beisammen gestanden um den letzten Abend zu genießen, aber der Weg zum Hotel musste ja schließlich auch noch zurückgelegt werden.

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Weinprobe im Keller

Hier sind wir nun glücklich und zufrieden angekommen und wünschen unseren Lesern in Deutschland einen wunderschönen guten Morgen, während wir nun mit den letzten Melodien im Ohr zu Bett gehen.

Napa & Napa Valley

Abfahrt 9:30! Eine Stunde früher, als ursprünglich geplant. Immerhin soll es heute schließlich entspannt werden, wo doch eine Tour durch das Napa Valley geplant ist.
In Napa angekommen wird zunächst eine kurze Rast an einem Park eingelegt, an dem ein Teil der Gruppe Fußball oder Volleyball spielte (was für mich persönlich sehr erfrischend war!).
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Der Patriotismus des Landes zeigt sich uns hier in einer beeindruckenden Weise – so kennen wir es aus Deutschland definitiv nicht. Das Bild spricht für sich:
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Das anschließende Barbeque gestaltete sich anders, als vorgestellt – nicht mit großem Grill, sondern bereits vorbereitet und leider nicht mehr heiß, aber dennoch sehr lecker!
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Momentan fahren wir durch das Napa Valley und besichtigen einzelne Weingüter, bevor wir nachher uns für unser zweites Konzert vorbereiten, bei dem wir noch einmal zeigen werden, was im LBO steckt!
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Today we left San José at 9:30 am to go to Napa Valley, where we perform our last concert. But before that, we made a short stop at a park in Napa to play some beach volleyball or football. Everyone enjoyed that a lot, as far as I could see. Impressive was to see the national pride at the way of presenting the American flag because you couldn’t find something comparable in Germany. That is a cultural difference which you can actually see!
The barbeque that was served afterwards was delicious. Now we are driving through Napa Valley, visiting some wineries, before we are driving to castello di amorosa, where we’ll enjoy playing in California once again before most of us are leaving to Germany tomorrow.

DAY TEN, 10.40 a.m. – Goodbye San Jose

Am neunten Tag unserer Reise verlassen wir San Jose und fahren mit dem Bus ins Napa Valley, wo wir zusammen mit zwei kanadischen Orchestern Teile unseres WASBE-Konzertes wiederholen. Während der Busfahrt bleibt die Zeit für ein kleines Fazit.

In meinem ersten Blogbeitrag vor der Reise habe ich versucht mir auszumalen, wie eine WASBE-Konferenz auszusehen hat. Ich habe mich gefragt wie groß eine Weltkonferenz sein wird und ob man diese mit einem baden-württembergischen Landesmusikfest vergleichen kann. In meinen Erwartungen wurde ich völlig überrascht – nichts kam so wie ich mir das vorgestellt hatte.

Die Konferenz ist vergleichsweise klein; jeden Tag gibt es 2-3 Konzerte, morgens „Repertoire Sessions“, Vorträge von Dirigenten und Meisterkurse. Eigentlich ein überschaubares Programm. Theoretisch kann man an allen Veranstaltungen teilnehmen, nichts läuft parallel. Auch die Anzahl der Besucher war überschaubar. Allerdings ist der große Unterschied zu den deutschen Musikfesten der, dass die Teilnehmer sehr international, bekannt, berühmt und wichtig sind. Nur bei einer WASBE-Konferenz hat man die Möglichkeit mit David Maslanka zum Hotel zu schlendern, mit Adam Gorb einen Small-Talk zu halten oder Johann de Meij zu seiner neuen Komposition zu beglückwünschen. Im Gespräch erfährt man von jordanischen Dirigenten wie sie die Ausbildung der Jungmusiker vorantreiben und dass es in den USA kaum Musikvereine, sondern fast ausschließlich Highschool-Bands gibt.

Nie hätte ich mir erträumen lassen, dass unser Konzert bei diesem international hochkarätigen Konzertpublikum so gut ankommt und dass es auf der WASBE-Konferenz nur noch ein Gesprächsthema gibt: The Orchestra from Germany.

Viele letzte Male…

Nun ist es soweit, der Bus ist beladen, wir haben San José noch ein letztes Mal  zu gewunken. Ein Abschied auf Raten: Gestern nützten viele unseren freien Tag für weitere Erkundungen in San Francisco. Man kam zurück, zufrieden und bereichert aus dieser Traumstadt, die sich uns, vor allem wettermäßig, von ihrer besten Seite gezeigt hat, allerdings auch müde und mit schmerzenden Füßen.

 Dennoch fand sich am Abend noch ein erstaunlich großes Grüppchen, um zum letzten Mal das Abendkonzert im California Theatre zu besuchen. Natürlich auch, weil das Konzert der Dallas Winds eines der Highlights der Woche zu werden versprach (neben unserem eigenen Konzert natürlich). Aber eben auch, weil es die letzte Gelegenheit war. Die letzte Nacht im Ramada San José, das letzte Frühstück hier, heute der letzte Tag, das letzte Konzert…

Es ist nicht zu übersehen, die Reise nähert sich dem Ende. Aber noch ist nicht aller Tage Abend: Wir können heute noch einen fabelhaften Tag im Napa- Valley verbringen, werden heute Abend ein großartiges Konzert spielen und die verbleibende Zeit gut zu nutzen wissen!